Das ehem. Franziskanerkloster Rietberg
und seine Kirche St. Katharina
Am 13. Januar 2008 konnte die Rietberger Franziskanerkirche
nach einer grundlegenden Innenrenovierung von dem Paderborner Weihbischof
Matthias König im Rahmen eines sonntäglichen Pontifikalamtes unter großer
Anteilnahme der Bevölkerung wieder eingeweiht werden. Damit erstrahlt ein
prachtvolles Gotteshaus, das eines der bedeutendsten Baudenkmäler im
historischen Stadtkern der ehem. gräflichen Landeshauptstadt Rietberg
darstellt, wieder in neuem Glanz. Das ehem. Franziskanerkloster, das auf dem
Gelände der frühesten für Rietberg nachweisbaren gräflichen Burg im Bogen der
Ems errichtet wurde, hat für mehr als drei Jahrhunderte das politische,
kulturelle und religiöse Leben des Rietberger Landes geprägt.
Die Entstehung von Kirche und Kloster ist eng mit der
Rekatholisierung der Grafschaft kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges verbunden.
Im Jahre 1610 war das Land nach einer gut 70 Jahre währenden protestantischen Zeit
auf Anordnung des Grafenhauses offiziell zum katholischen Glauben
zurückgekehrt. Das Franziskanerkloster wurde im Jahre 1618 gegründet, um nach
mehrjähriger Missionsarbeit durch die Jesuiten die Stadt- und Landbevölkerung
in ihrem wiedergewonnenen katholischen Bekenntnis dauerhaft zu festigen.
Stifter waren Graf Johann III. von Ostfriesland und Rietberg und seine Gemahlin
Gräfin Sabina Catharina. Nach anfänglichen Konflikten zwischen der Kölnischen
Ordensprovinz und dem Grafenhaus förderte vor allem Graf Ernst Christoph, nach
dem Tod seines Vaters 1625 neuer Landesherr, den Aufbau des Rietberger Konventes.
Mehr als 350 Jahre lang unterstützten die Franziskaner die
Seelsorge in den umliegenden Pfarrgemeinden. In gräflicher Zeit betreuten sie
zudem die Rietberger Schlosskapelle und die Kapelle zur Holte. Sie leisteten
Armenspeisungen und übten bis Mitte des 19. Jh. die Lehrtätigkeit am
gegenüberliegenden Gymnasium aus. Im Rietberger Kloster lebte von 1933 bis 1939
der aus Rönkhausen im Sauerland stammende Pater Kilian Kirchhoff (1892-1944).
Der bekannte Übersetzer von Hymnen der byzantinischen Ostkirche wurde am 24.
April 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet (Gedenktafel links vom Kirchenportal).
Im Jahr 1618 erfolgte die Grundsteinlegung zu Kirche und
Kloster, 1629 ihre Weihe durch den Paderborner Weihbischof Johannes Pelcking.
Bis 1621 (Datumsstein im Giebelfenster) war der Kernbau der Klosteranlage
entstanden.
Die Kirche war zunächst ein schlichter Saal von 4 Jochen mit
einem 3/6-Chorschluss und flacher Holzdecke. Bei der Erweiterung um zwei Joche
im Jahre 1725 wählte man statt des maniriert gotisierenden Maßwerks schlichte
Rundbogenfenster. Schon wenige Jahre vorher war anstelle des einfachen
Gebäudetraktes des alten Klosters von 1629 eine dreiflügelige Klosteranlage mit
Kreuzgang errichtet worden. Am 29. Juli 1716 erfolgte im Beisein von Maximilian
Ulrich Graf von Kaunitz-Rietberg die Grundsteinlegung durch den Clarholzer
Propst Elbert Freiherr von Kückelsheim und den Abt der Zisterzienserabtei
Marienfeld Everhard Gallenkamp. 1721 konnte der Neubau vollendet werden. Bis
1743 kam noch ein Ökonomieflügel entlang der Ems hinzu.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh., während der Zeit des
Kulturkampfes (1874-1884), mussten der Chor und die Verbindung zum Kloster, die
durch ein Absinken des Wasserspiegels der Ems einzustürzen drohten, neu
fundamentiert werden. Das alte, noch aus der Barockzeit stammende Gewölbe
musste aus statischen Gründen 1888 niedergelegt werden. Stattdessen wurde ein
leichtes neugotisches Gewölbe eingezogen. Es ruht auf neu eingefügten Rundpfeilervorlagen,
was die Raumgestalt noch einmal stark verändert hat. Weitere Umbauten an
Kloster und Kirche wurden noch einmal von 1899 bis 1902 vorgenommen. Einem verheerenden
Brand des Jahres 1935 fielen der ursprüngliche Dachreiter und das historische Geläut
zum Opfer.
Aus Mangel an Nachwuchs wurde das Rietberger
Franziskanerkloster 1967 zu einer Residenz herabgestuft und im Jahre 1975
aufgehoben. Vier Jahre später verließ der letzte Franziskanerpater die
Emsstadt. Kirche und Kloster wurden 1979 dem Erzbistum Paderborn übergeben. Die
Kirche wird seitdem von der kath. Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist betreut.
Seit dem 1. Juli 1969 nutzt das Jugendwerk Rietberg, eine Einrichtung der
freien Jugendhilfe, die vom Verein für Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn e.V.
getragen wird, die Klostergebäude.
Das barocke Kirchenportal zeigt das Allianzwappen der
Förderer und Erneuerer von Kirche und Kloster in der 1. Hälfte des 18. Jh. Es
zeigt links (heraldisch rechts) das Wappen von Maximilian Ulrich als Graf von
Kaunitz, Ostfriesland und Rietberg (v.l.): in Rot einen goldenen Adler
(Rietberg), in Gold einen schwarzen Bär (Esens), in Blau zwei gekreuzte goldene
Peitschen (Wittmund) und in Schwarz die goldene Harpye (das ostfriesische Haus
Cirksena); im ranghöheren aufgelegten Herzschild sind für das Haus Kaunitz in
Rot zwei gekreuzte silberne Seerosenblätter (Kaunitz) sowie in Gold eine blaue
fünfblättrige Rose (Sesyma-Austi) zu sehen. Das rechte Wappen (heraldisch
links) der Gräfin Maria Ernestine Franziska verweist noch einmal auf die
Besitzungen Ostfriesland und Rietberg, die von ihr in die Ehe eingebracht
worden waren.
Rechts oben an der Klosterwand, dort, wo ehem. die
Klosterpforte war, prangt das runde Allianzwappen des 1640 verstorbenen
Mitbegründers des Klosters Ernst Christoph Graf von Ostfriesland und Rietberg
und seiner Gemahlin Albertine Maria Marquise de St. Martin, die in zweiter Ehe
mit ihrem Vetter Graf Charles de la Baume verheiratet war. Ihr Wappen zeigt
eine rote Treppe in Gold.
Den 2007 neu gestalteten Klostervorplatz bereichern eine
Maria Immakulata von Johann Theodor Axer (1762) und eine Johann Philipp Pütt
(beide Paderborn) zugeschriebene Statue des hl. Petrus von Alcantara (1768),
eines Ordensheiligen der Franziskaner (Kopien, Originale im Kreuzgang des ehem.
Klosters). Die Bronzeskulptur einer Pietà links von der Kirche ist ein Werk des
Künstlers Wilfried Koch (Rietberg-Varensell) aus dem Jahre 1986.
An der Längsaußenwand der Kirche stehen Grabsteine von
Rietberger „Kloppinnen“. Es handelt sich um Vertreterinnen der so genannten
„Terziarinnen“, des Dritten Ordens des hl. Franziskus also, die im Rietberger
Land nach ihrem Gelöbnis bisweilen ein recht bevorzugtes, oft von Arbeit
befreites Dasein auf den Höfen ihrer Familien führen konnten. Die Inschrift auf
dem linken Kloppenstein ist noch deutlich zu erkennen. Danach starb („obiit“)
am 10. Mai 1742 die Jungfrau („Virgo“) Maria Elisabetha Hölscher, die das
Gelübde der Tertiarin abgelegt hat („Devota Tertiaria“). Über dem vermauerten
Seiteneingang ist ein ehem. Gewölbeschlussstein, wohl noch vom alten Gewölbe
vor der neugotischen Einwölbung von 1888, mit einer Darstellung des Heiligen
Geistes angebracht.
Ursprünglich waren die Klosterkirche, das Konventsgebäude
und der sich bis zur Ems erstreckende Klostergarten durch eine Gräfte, die noch
von der Zeit der mittelalterlichen Burg herrührte, vom eigentlichen städtischen
Siedlungsgebiet abgetrennt. Der Klosterbereich konnte nur über Brückenstege
erreicht werden. Erst 1930 ist das letzte Teilstück dieses zwischen
Klosterstraße und Klostergarten erhaltenen Gewässers als so genannter „toter
Emsarm“ zugeschüttet worden.
Bei der jüngsten Restaurierung wurde der Kirchenraum nach
historischem Befund neu gefasst. Im Kontrast zum ganz leichten Rosa der Wände
steht das Grün der Gliederungselemente, das auf den verwendeten Anröchter
Sandstein verweist. Die Verglasung der Fenster aus dem Jahre 1960 nimmt dieses
Farbspiel auf.
Im „barockarmen“ Kreis Gütersloh nimmt die Rietberger
Klosterkirche mit ihrer reichen Ausstattung des 17. und 18. Jh. eine herausragende
Stellung ein. In Aufbau und Gliederung weist der 1629 beim Bielefelder
Bildhauer Johannes Kotmann in Auftrag gegebene Hochaltar noch Formen der
Spätrenaissance auf. Er konnte wie die Seitenaltäre zur Neuweihe 2008
restauriert werden. Aus Stein gefertigt, zeigt er im Hauptbild die Kreuzigung
Jesu, flankiert von Figuren der Stifterpatrone, des Evangelisten Johannes und
der hl. Katharina von Alexandrien, darüber die Auferstehung, begleitet von den
Ordensheiligen Bonaventura (links) und Ludwig von Toulouse. Wohl aus Gründen
der Pietät hatten die Franziskaner oberhalb des Stifterwappens von Graf Johann
III. und Gräfin Sabina Catharina noch eine Christusfigur mit der Weltkugel
(Salvator = Erlöser) anbringen lassen.
Erst nach 1635 sind die ebenfalls
steinernen Seitenaltäre entstanden. Sie sind mit dem Allianzwappen des Grafen
Ernst Christoph und der Marquise Albertine Maria geschmückt. Der linke Seitenaltar zeigt eine
Weihnachtsdarstellung, begleitet von Figuren
der Märtyrerinnen Agnes (mit Lamm) und Lucia (mit Schwert). Der
Ordensaltar rechts zeigt den Empfang der Wundmale durch Franziskus
(Stigmatisierung), dazu den hl. Bernhardin von Siena (mit IHS-Tafel) und
Johannes von Kapistran.
Ein zweiteiliges Chorgestühl aus
Eichenholz von 1729/30, links zum Hochaltar hin erweitert um die Grafenbank,
mit qualitätsvollen Ornamentverzierungen und einem drehbaren Lesepult, gilt als
ein herausragendes Werk der Schnitzkunst in Westfalen. Es verleiht dem
Mönchschor trotz einiger Verluste noch immer eine barocke Gesamtwirkung von
beachtlicher Geschlossenheit. Auf ihnen stehen steinerne Barockfiguren des hl.
Franz von Assisi (links) und der hl. Clara von Assisi aus Stein, die wohl um
1700 entstanden sind und zeitweilig auf dem Hochaltar ihren Ort hatten. Am
Zugang zur großzügigen Sakristei, deren barockes Schrankwerk im Jahre 1904
durch eine neugotische Einrichtung ersetzt wurde, ist die historische Glocke
aus der Kirche St. Anna in Bokel angebracht. Laut Inschrift hatten sie Graf Maximilian
Ulrich und Gräfin Maria Ernestine Franziska im Jahre 1732 „umbgiesen“ lassen.
Aus der Zeit des Hochbarock stammt die Kanzel (1698),
während die fünf Beichtstühle mit ihren Darstellungen von biblischen Büßern
(rechts vom Chor aus: Maria Magdalena, das Gleichnis vom Pharisäer und sündigen
Zöllner, König David; links: Petrus, der verlorene Sohn) sehr feingliedrige
asymmetrische Formen des Rokoko aus der 2. Hälfte des 18. Jh. zeigen. Die zu
Anfang des 20. Jh. entstandenen 14 Stationen des Kreuzweges (Öl auf Leinwand)
sind Arbeiten von Eduard Goldkuhle aus Wiedenbrück. Das gemalte Ornamentband
des Rundbogens, der den älteren Teil der Kirche mit den beiden Erweiterungsjochen
von 1725 verbindet, entstand mit der letzten Einwölbung um 1888/89.
Die 1747 erworbene Orgel stellt sicher das kostbarste
Ausstattungsstück der Kirche dar. Anlage und Form des Orgelprospekts legten
zunächst eine Zuschreibung an den berühmten Lippstädter Orgelbauer Johann
Patroklus Möller nahe. Das Instrument ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit
ein Werk des Orgelbauers Adolph Cappelmann und des Bildhauers Laurenz Henke,
die beide aus Geseke stammen. 1850 wurde die Orgel von Bernhard Speith umgebaut.
1927 erfolgte durch dessen Sohn Johannes Speith die Umstellung von mechanischem
Schleif auf pneumatische Kegelladen.
Durch den Klosterbrand 1935 wurde die Klosterorgel u. a.
durch eingedrungenes Löschwasser stark in Mitleidenschaft gezogen. In den
Jahren 1990/91 konnte das wertvolle Instrument von den Orgelbaumeistern Günther
und Ralf Müller unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten umfassend „im Stil
der alten Meister restauriert“ werden. Das Werk verfügt heute über 29 Register
auf 2 Manualen und einem von unten nicht sichtbaren hinterständigen Pedalwerk.
2008 Pfeifen werden auf Tasten mit Beinauflage und Ebenholz über hölzerne Züge
auf Schleifladen rein mechanisch angespielt. Die Registerzüge sind aus
erlesenem Ebenholz gedrechselt. Im Zuge dieser jüngsten Gesamtrenovierung wurde
auch die historische Farbfassung des Prospektes wiederhergestellt.
Am 17. Dezember 1994 erklang zum 75-jährigen Jubiläum der
Rietbergwerke ein Konzert des Ensembles Musica Clarina für Orgel und 2
Trompeten, dessen Programm zuvor auf CD aufgenommen worden war. Im Rahmen einer
Reihe von 16 Konzerten führte an diesem Instrument und auch an der Orgel der
Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist der Konzertorganist Engelbert Schön
1998/99 das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach auf.
Aus dem früheren Pfortenraum und dem Beichtzimmer entstand
1929 rechts von der Orgelbühne ein erhöhter, im Jahre 1967 zur Marienkapelle
umgestalteter Raum, den ein aus verschiedenen Barockschnitzereien des Klosters
zusammengefügter Altar schmückt. Die Mitte des Altaraufbaus ziert eine um 1770
entstandene Maria Immakulata des Paderborner Bildhauers Joseph Stratmann in
teils originaler Fassung (Inkarnat).
Der mach Plänen von Bruder Petrus Vogt aus Geseke von 1716
bis 1721 errichtete Kreuzgang, in welchem bis 1827 verstorbene Franziskaner
bestattet wurden, zeigt zum Lichthof hin kostbare Wappenscheiben von Förderern
des Klosterneubaus aus dem Jahre 1721. Zu den Stiftern gehörten neben den
Städten Rietberg, Warendorf und Wiedenbrück auch der Klerus der Grafschaft
Rietberg, das Domkapitel zu Paderborn sowie zahlreiche Adelige und Bürger aus
der näheren Umgebung. Seit 1970 vorübergehend ausgebaut und in das Freilichtmuseum
Detmold ausgelagert, konnten die barocken Fenster im Jahre 1994 aufgrund der
Bemühungen und Unterstützung verschiedener Institutionen restauriert und an
ihren ursprünglich Ort zurückkehren.
Im Kreuzgang werden die Originale der barocken
Sandsteinfiguren vom Klostervorplatz aufbewahrt, zwischen ihnen die unlängst
wiederhergestellten hölzernen Chorschranken von 1729/30, die es bis zur
Umgestaltung von 1954 ermöglicht hatten, den Chorraum bei Bedarf vom
Kirchenschiff abzuschließen. Ihre Ornamentschnitzereien aus plastisch stark
hervortretenden Akanthusblättern waren zwischenzeitlich für die Kommunionbank,
den Zelebrationsaltar und das Ambo verwendet worden.
Beachtenswert sind auch das hölzerne Allianzwappen von Graf
Johann IV. von Ostfriesland und Rietberg und seiner Gemahlin Anna Catharina von
Salm-Reifferscheidt von 1654 sowie die Totentafel von Graf Leopold, einem Sohn
von Johann III. und Sabina Catharina. Er war Domherr zu Köln, Straßburg und
Paderborn und starb am 14. November 1635.
Vom Kreuzgang aus gelangt man in das östlich gelegene ehem.
Refektorium (heute zum Jugendwerk Rietberg gehörend). Hier blieben (wie im
Kreuzgang) die barocken Balkenlagen mit schlichter Kantenverzierung und
Stuckbändern erhalten. Noch aus der Entstehungszeit in der Mitte des 18. Jh.
stammt die hölzerne Wandverkleidung. Die Nordwand schmückt eine 1930
entstandene Abendmahlsdarstellung von Pater Walther Tecklenborg (1876-1965),
der dem Konvent von 1918 an bis zu seinem Tod angehörte.
Ein ehem. außen zur Ems hin am Klostergebäude angebrachter
Wappenstein aus dem Jahre 1654 schmückt das Foyer des heutigen Jugendwerks. Es
zeigt links (heraldisch rechts) das Wappen Graf Johanns IV. und rechts noch
einmal das Allianzwappen Johanns IV. und seiner Gemahlin Anna Catharina von
Salm-Reifferscheidt (siehe hierzu dasselbe Wappen am historischen Rathaus). Der
Wappenstein stammt noch vom frühbarocken Vorgängerbau des Klosters, und zwar
sehr wahrscheinlich von einem Krankenzimmer, das 1654 auf Veranlassung des Grafen
angebaut worden war.
In der heute vom Klosterhof (Torhaus zur Emsstraße)
zugänglichen Krypta unter dem Hochchor, zu der man ursprünglich vom Ordensaltar
der Kirche aus gelangte, wurden 12 Mitglieder des gräflichen Hauses
Ostfriesland, Rietberg und Kaunitz beigesetzt, unter ihnen auch die
Klostergründer Graf Johann III., Gräfin Sabina Catharina und (deren Sohn) Graf
Ernst Christoph. Hier wurde zudem das vom mährischen Brünn (Tschechien) nach
Rietberg überführte Herz der letzten in Rietberg geborenen (4. August 1687)
Gräfin Maria Ernestine Franziska bestattet. Bis zur Klostergründung im Jahre
1618 hatte das Grafenhaus seine Toten überwiegend im Kreuzgang des
Zisterzienserklosters Marienfeld bestattet.
In den 80er Jahren des 19. Jh. durch Neufundamentierung des
Chores teilweise verschüttet, wurde die Krypta erst um 1900 unter dem Guardian
Pater Didacus Falke (1863-1932) teilweise wiederhergestellt. In diesem
Zusammenhang wurden auch die vorhandenen beiden Särge und die vergoldete
Kupferkapsel mit dem Herzen der Gräfin geborgen. Zwischenzeitlich durch einen
Heizungseinbau beeinträchtigt, konnte im Rahmen der jüngsten Innenrestaurierung
die Krypta wieder annähernd in ihre ursprüngliche Größe zurückversetzt werden.
Dabei hat auch das Herz von Maria Ernestina Franziska einen würdigen Ort auf
einer Stele des Künstlers Horst-Jürgen Hoburg (Verl) gefunden. Seit dem 20.
Februar 2008, dem 250. Jahrestag seiner feierlichen Beisetzung durch den
Paderborner Weihbischof Franz Gondola, ist die aus Spendenmitteln vollkommen
neu gestaltete Krypta der Öffentlichkeit wieder zugänglich.
Rietberg, im Februar 2008 Manfred Beine, Archivar der Stadt Rietberg
Literatur:
P. Didacus Falke O. F. M.: Kloster und Gymnasium Mariano-Nepomucenianum der
Franziskaner zu Rietberg, Rietberg 1920.
P. Benno Nordberg O. F. M.: Franziskanerkirche St. Katharina Rietberg (Schnell, Kunstführer
Nr. 1155, München / Zürich 1978
Alwin Hanschmidt (Hg.): 500 Jahre Pfarrkirche St. Johannes Baptista Rietberg 1483-1983,
Rietberg 1983
Alwin Hanschmidt (Hg.): 700 Jahre Stadt Rietberg 1289-1989. Beiträge zu ihrer Geschichte,
2. durchges. Aufl. Rietberg 1989
Alwin Hanschmidt: [Artikel] Rietberg, in: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815
errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung, Teil 2, Münster
1994, S. 296-303
Manfred Beine: Das Postkartenbuch Rietberg. Bilder und Grüße aus 100 Jahren, Rietberg
2005
Manfred Beine / Käthe Herbort: Rietberg. Historischer Stadtrundgang (Westfälische Kunst
stätten
67), 2. erw. und überarb. Auflage, Münster 2008