Herbert Bolte  +16.03.2009

 

 

 

 

Am 16.03.2009 verstarb im Alter von 87 Jahren Herbert Bolte. Herbert Bolte wurde am 22.07.1921 in Rietberg geboren. Seine Eltern waren Änne Bolte, geb. Koch und Otto Bolte. Herbert Bolte wuchs im Hause seiner Eltern in der Stennerlandstraße als zweitältester mit seinen drei Geschwistern Heinz, Gisela und Josef auf. Er besuchte von 1931 bis 1937 das damalige Rietberger Progymnasium und verließ es mit dem „Einjährigen“, so nannte man damals die Mittlere Reife. Danach machte er eine Lehre als Radiomechaniker. 1940 wurde er zur Wehrmacht einberufen. 1943 wurde er im Einsatz als Kradmelder schwer verwundet und verlor dabei das rechte Bein. Eine Prothese zu tragen war ihm leider nicht möglich. Nach dem Kriege war er in seinem Beruf als Radiomechaniker tätig.

Herbert Bolte war äußerst vielseitig interessiert. Sein Hauptinteresse galt der Geschichte, der Welt-, Reichs- und Rietberger Geschichte, insbesondere der Geschichte der Grafschaft Rietberg und dort vor allem der Geschichte und Archäologie seiner Heimatstadt Rietberg.

Rietberg liebte er über alles. Er war ein Poahlbürger durch und durch. Bei der Wiederbegründung des Heimatvereins der Stadt Rietberg im Jahre 1975 war er eine der treibenden Kräfte. Innerhalb des Heimatvereins arbeitete er im Vorstand maßgeblich an der Herausgabe der Bändchen der „Heimatkundlichen Reihe“ mit, vor allem 1977 bei der erweiterten Neuauflage des Buches von G.J. Rosenkranz: „Das Land Rietberg und seine Grafen“. Ebenso beteiligt war er an der Herausgabe von: „500 Jahre Pfarrkirche St. Johannes Baptista, Rietberg 1483 – 1983“ sowie an:“ 700 Jahre Stadt Rietberg, 1289 – 1989“. Der Hauptschwerpunkt seiner Interessen lag aber in der heimischen Archäologie. Seiner Meinung nach kleben viele Historiker zu sehr an schriftlichen Aufzeichnungen, d.h. den Archiven und vernachlässigen oder ignorieren sogar gänzlich die Bodenfunde. Herbert Boltes Archiv waren die Rietberger Bodenfunde. So war er in den 70er und 80er Jahren Beauftragter der Stadt Rietberg für Bodendenkmalpflege. Trotz seiner schweren Behinderung und seines Alters stieg er in fast jede Baugrube in der historischen Altstadt, um historisch wichtige Bodenfunde der Nachwelt zu sichern. Dazu einige Beispiele:

Er entdeckte beim Bau des Rathauses Rügenstraße 1 (1980) an der Stelle des alten Konduktionshauses eine Brandschicht. Dadurch wurde die Notiz von 1656 bestätigt:  „….. an der Stelle der alten Rentei, die vor etzlichen Jahren abgebrannt“. Aus der Baugrube des Pfarrheims (1980) ließ er einen Balken dendrochronologisch auf das 14. Jh. datieren. Bei der Rekonstruktion des historischen Rathauses (1977) rettete er das Wappen über dem Portal vor der Zerstörung. Beim Neubau der Südtorapotheke im Jahre 1969 wies er anhand des nun erkennbaren alten Profils den Verlauf des Stadtgrabens vor der spätmittelalterlichen Stadterweiterung im 14. Jahrhundert nach. Der Stadtgraben verlief damals etwa 100 m nördlicher als heute. Dazu kamen einige Funde zu Tage, u.a. eine Waage. An den Restaurierungsarbeiten und der späteren Gestaltung des Heimathauses (1983 – 1986) war er maßgeblich mit Rat und Tat beteiligt. Es war für ihn eine Genugtuung, die Restaurierung der Klosterkirche und die Wiederherstellung der Krypta 2007/2008 noch miterlebt zu haben.

Sein Hauptaugenmerk in der Archäologie galt jedoch seit 1974 den steinzeitlichen Funden in der Großen Höppe. Er war maßgeblich an den Ausgrabungen von 1974 beteiligt. Diese Ausgrabungen wurden von Dr. Klaus Günther und Dr. Walter Adrian vom Amt für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Bielefeld, geleitet. Weiter hat er nach diesen ersten Ausgrabungen die Großen Höppe immer wieder mit Erfolg nach Artefakten abgesucht. Die Ausgrabung vor der endgültigen Bebauung der Großen Höppe, geleitet von Prof. Dr. Richter, Universität Köln, hat er beratend begleitet sowie auch im Jahre 2007 die Anlage eines archäologischen Lehrpfades im Südteil der Rietberger Landesgartenschau 2008.

Der Tod von Herbert Bolte reißt eine Lücke in der Rietberger Geschichtsforschung, die schwer zu schließen ist.

Wir wollen ihm ein ehrendes Andenken bewahren.