Frau Dr. Wilhelmine Herbort zum Gedenken

 

 

 Selten war und ist ein Mensch so eng mit Land und Leuten seiner Heimat verwoben, wie dies für die verstorbene Studiendirektorin i. R. Frau Dr. Wilhelmine Herbort gilt. Am 27. Oktober 1920 in Rietberg geboren wuchs sie mit ihren Geschwistern als Tochter des aus Mastholte stammenden Uhrmachers Franz Herbort und seiner Frau Theresia an der Rathausstraße am Eingang zum Ennebutt auf. Wie ihren Schwestern Käthe und Theresia Herbort ermöglichten die Eltern auch ihrer Tochter Wilhelmine, was zu dieser Zeit noch sehr ungewöhnlich war, eine akademische Bildung. Wilhelmine Herbort studierte Germanistik, Geschichte und Geographie und promovierte schließlich im Fach Geographie. Parallel zu ihrer Unterrichtstätigkeit, zunächst am Missionshaus der Weißen Väter in Rietberg und dann bis zu ihrer Pensionierung am Gymnasium Nepomucenum, widmete sie sich unermüdlich der Erforschung der historischen, geografischen und wirtschaftlichen Grundlagen ihrer heimischen Landschaft. Im Jahre 1950 legte sie mit „Die ländlichen Siedlungslandschaften des Kreises Wiedenbrück um 1820“ ihre erste größere Studie zur regionalen Siedlungsgeographie vor. Zahlreiche weitere Arbeiten, etwa zu den Gemeinheiten der Gemarkung der Stadt Rietberg oder zur Entwicklung der Rietberger Feldmark, folgten. Als ihr Hauptwerk darf sicherlich das Buch zur siedlungskundlichen Entwicklung von Bokel und Druffel gelten, das sie gemeinsam mit Heinrich Amtenbrink und Franz Flaskamp verfasste und das 1968 in der Reihe „Monographie des Landkreises Wiedenbrück“ erschien. Immer mehr richtete sich ihr Forscherblick von der regionalen historischen Entwicklung im Allgemeinen hin auf die spezifische Entwicklung und Ausprägung sozialhistorischer Prozesse in ihrer Heimatstadt Rietberg im Besonderen. Da verwundert es nicht, dass es Wilhelmine Herbort oblag, für das von Prof. Dr. Alwin Hanschmidt herausgegebene Rietberger Stadtgeschichtsbuch zum 700jährigen Stadtjubiläum 1989 die gewichtigen Beiträge zu den naturräumlichen Verhältnissen, der bäuerlichen Siedlung und Rietberger Stadtentwicklung vom Mittelalter bis zur Gegenwart zu verfassen. Im Jahre 1999 trat sie noch einmal als Mitautorin des Buches „Die Rietberger Emsniederung. Eine Landschaft im Wandel der Zeit“ an die Öffentlichkeit. Mit einer Studie zur Frage nach dem möglichen Stammsitz der Ritter von Varensell endete schließlich 2002 ihre aktive Mitarbeit am Heimat-Jahrbuch des Kreises Gütersloh. Frau Wilhelmine Herbort hat sich um ihr geliebtes Rietberg und um das Rietberger Land, um dessen sozial- und kulturhistorisches Profil sie sich so nachhaltig bemüht hat, große Verdienste erworben. Am Sonntag, zwei Tage vor ihrem 89. Geburtstag starb sie nach langer Krankheit. Ihr Tod ist für Rietberg ein großer Verlust.

 

Manfred Beine