Auf den Spuren der Rietberger Grafen machten sich 27 Geschichtsinteressierte kürzlich mit dem Heimatverein Rietberg auf den Weg. Nachdem 2009 eine Reise nach Wien, Brünn, Austerlitz und Wilfersdorf die Geschichte des Hauses Kaunitz beleuchtete, eine Tagesfahrt nach Arnsberg stattfand und 2010 die Stätten des Hauses Ostfriesland erkundet wurden, war das Haus Liechtenstein diesmal Thema der Reise.
Die Hinfahrt war gespickt mit Orten, die in Verbindung mit Rietberg, den Habsburgern oder dem Haus Liechtenstein stehen. Gern wurde der Vorschlag, für die erste Mittagspause einen kleinen Abstecher nach Speyer zu unternehmen, angenommen. Der Dom zu Speyer gehört zu den größten romanischen Bauwerken Deutschlands, die Kaisergruft ist Grablege von acht deutschen Kaisern und Königen.
Im Hotel in Königschaffhausen am Kaiserstuhl wurde die Gruppe herzlich begrüßt. Nach der Führung durch eine Ölmühle konnte das Abendessen im gemütlichen Biergarten eingenommen werden.
Der zweite Tag war für Straßburg vorgesehen. Dort wartete ein Führer, der Altstadt und Münster näher erklärte.
Im Straßburger Münster mit seinem 142 m hohen Spitzturm und dem 32 m hohen Mittelschiff werden zur Zeit die Glasfenster renoviert und restauriert, das älteste stammt noch aus dem 13. Jahrhundert. Das 1956 vom Europarat gestiftete Europafenster, der Engelspfeiler mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts und die berühmte astronomische Uhr, die wir um 10.30 Uhr in Aktion erleben konnten, waren hier zu sehen. Unser Sonderwunsch im Straßburger Münster war die Besichtigung der Andreaskapelle. Hier fanden wir die Büste des Rietberger Grafen Franz Adolf Wilhelm. Er hatte in seinem Testament zwar verfügt, „dass er ohne großen Pomp im Straßburger Münster beigesetzt werden wollte“. Dass seine Büste sich in der zur Zeit leider als Abstellraum benutzten Kapelle befindet, hat er damit sicher nicht gemeint. Graf Franz Adolf Wilhelm starb 1690 als letzter männlicher Graf aus dem Hause Ostfriesland und setzte seine Nichte, Maria Ernestine Franziska, zur Erbin der Grafschaft Rietberg ein.
Beim Rundgang durch die Stadt konnte die St.-Thomas-Kirche mit der Hauptorgel von Johann Andreas Silbermann (1741) und der Chororgel nach Plänen von Albert Schweitzer (1905) sowie das Grabmal des Marschalls Hermann Moritz von Sachsen besichtigt werden.
Im malerischen Gerberviertel im Stadtteil La Petit France mit den kleinen Gassen wurde neben der Geschichte dieses Viertels auch über das Krankenhaus berichtet, in der die sog. Franzosenkrankheit behandelt wurde. Der Name dieses Stadtteils wurde von diesem Begriff abgeleitet, während eine andere Erklärung auf die französischen Soldaten zurückgeht, die die Blätter der dort gewachsenen Weiden für heilsam hielten.
Bei der Führung durch die Hochkönigsburg, die Kaiser Wilhelm II von Hohenzollern 1899 von der Stadt Sélestat (Schlettstadt) geschenkt bekam und restaurieren ließ, wurde ein wirklichkeitsnaher Eindruck von der damaligen Lebensweise vermittelt. Anhand von historischen und architektonischen Informationen erfuhren wir zusätzlich vieles über die Restaurierung dieser mittelalterlichen Burg.
Der nächste Tag begann mit einer kurzfristig organisierten Führung in Schlettstadt. Die malerischen Straßen, die romanische Kirche St. Fides, die gotische Sankt-Georgs-Kirche und die Humanistenbibliothek, in der sich das älteste noch erhaltene Buch des Elsass, das Merowingische Lektionar des 7. Jahrhunderts, befindet, konnten bewundert werden. Schlettstadt gilt als Geburtsort des Weihnachtsbaumes, ab 1521 steht in Häusern vornehmer Bürger dieser Baum. Hier feierte auch Kaiser Karl der Große im Jahre 775 Weihnachten.
In Colmar wurde im Museum Unterlinden der bekannte Isenheimer Altar besichtigt. Dieser sogenannte Wandelaltar stellt den Ablauf des liturgischen Kirchenjahres dar. Dazu werden die Flügel geöffnet, so dass die entsprechenden Bildteile zu sehen sind.
Die Besichtigung der im 11. Jahrhundert erbauten Abteikirche stand in Ottmarsheim auf dem Plan. Rudolf von Altenburg, dessen Bruder als erster den Namen Habsburg trug, stiftete dieses Benediktinerinnenkloster. Kaiser Karl der Große errichtete in Aachen die pfalzgräfliche Kapelle mit einem achteckigen Grundriss. Diese Kapelle galt als schönste christliche Kirche und war Vorbild für die Abteikirche Ottmarsheim.
Bad Säckingen war die nächste Station. Adelheid Lang, Stadtarchivarin und Tochter des ehemaligen Rietberger Oberstudiendirektors Dr. Alfred Ecker, nahm die Gruppe in Empfang und begleitete sie während der nächsten Tage.
Das Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz präsentiert in der Dauerausstellung die Geschichte sowie Landes- und Naturkunde des Fürstentums Liechtenstein. Aufgeteilt ist diese Ausstellung in die Themen Siedeln, Herrschen, Schaffen, Schützen, Feiern und Nutzen.
Danach ging es hoch hinaus. Über enge Serpentinen und durch einen Tunnel, der gerade hoch genug für den Bus war, ging die Fahrt nach Malbun zur Mittagspause. Bei den herrschenden Wetterverhältnissen wurde auf die Liftfahrt auf das Sareiser Joch verzichtet.
Schließlich stand das Highlicht der Fahrt noch aus. Am Nachmittag empfing uns S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein auf dem Schloss Vaduz. Nach der Anmeldung wurden die Tore geöffnet. Der Erbprinz, der, wie alle Mitglieder dieser Familie, auch den Titel „Graf von Rietberg“ in seinem Namen trägt, begrüßte alle Teilnehmer persönlich, lud zu einem Umtrunk ein und beantwortete die gestellten Fragen. Ob er der ausgesprochenen Einladung nach Rietberg Folge leisten wird, ließ er allerdings offen.
Die Fahrt ging am nächsten Tag zum Kloster Königsfelden. 1311 stiftete die Witwe des ermordeten König Albrecht I., Elisabeth von Görz-Tirol, das Klarissenkloster mit angegliedertem Franziskanerkonvent. Wie König Albrecht in Königsfelden zu Tode kam, wird in Schillers Wilhelm Tell genau dargestellt: „Der König ritt herab vom Stein zu Baden, gen Rheinfeld, wo die Hofstatt war, zu ziehn, mit ihm die Fürsten, Hans und Leopold, und ein Gefolge hochgeborner Herren. Und als sie kamen an die Reuß, wo man auf einer Fähre sich lässt übersetzen, da drängten sich die Mörder in das Schiff, daß sie den Kaiser vom Gefolge trennten. Drauf als der Fürst durch ein geackert Feld hinreitet – eine alte große Stadt soll drunter liegen aus der Heiden Zeit – die alte Feste Habsburg im Gesicht, wo seines Stammes Hoheit ausgegangen – stößt Herzog Hans den Dolch ihm in die Kehle, Rudolf von Palm durchrennt ihn mit dem Speer, und Eschenbach zerspaltet ihm das Haupt. Daß er heruntersinkt in seinem Blut, gemordet von den Seinen, a u f dem Seinen.“
Die Königstochter Agnes von Ungarn, Witwe des Königs Andreas III. lebte ab 1317 ebenfalls in Königsfelden. Während dieser Zeit entstanden die beeindruckenden Glasfenster des Klosters.
Es war selbstverständlich, dass auch die Habsburg besucht wurde. Auf der Stammburg der gleichnamigen Herrscherdynastie lebten die Habsburger etwa 200 Jahre. Hier in geschichtsträchtiger Umgebung fand die Mittagspause statt.
Schon während der Fahrt informierte Frau Lang über Land und Leute. Die Holzbrücke in Bad Säckingen, die diese Stadt mit der Gemeinde Stein in der Schweiz verbindet, ist mit 202,9 m die längste gedeckte Holzbrücke Europas.
In Bad Säckingen berichtete Frau Lang über die Geschichte der Stadt, führe durch den Schlosspark, am Teehäuschen und dem bekannten Trompeter von Säckingen vorbei, und zeigte das Wahrzeichen der Stadt, das Fridolinsmünster mit dem Fridolinsschrein. Im Archiv konnten wir einen Blick auf einen Kalender von Schiller und auf das Jahrzeitbuch aus dem Jahre 1522 werfen.
Die Mittagspause auf der Heimfahrt wurde in der ehemaligen kurzpfälzischen Residenzstadt Heidelberg verbracht.